FAQ

Hier finden Sie Antworten auf häufig gestellte Fragen. Die FAQ werden kontinuierlich erweitert.

Das Ziel des Forschungsprojektes AMEISE ist die Entwicklung und Erforschung von hochautomatisierten, emissionsfrei angetriebenen Fahrzeugen (Kleinbusse) zur Personenbeförderung im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).

Die Erforschung findet ganzheitlich statt und beinhaltet mehrere Aspekte: die Integration innovativer Verkehrsinfrastrukturkonzepte, deren Einbindung in den Betriebsablauf des ÖPNV im innenstädtischen Raum, die Veränderung der Berufsperspektiven mit automatisiertem Fahren, die Analyse der Wirtschaftlichkeit automatisierter ÖV-Transporte unter dem Gesichtspunkt verkehrsökonometrischer Bewertungen, der Einbezug lokaler Stakeholder:innen und unter Berücksichtigung von Inklusion die besonderen Bedürfnisse eingeschränkter Personengruppen.

Relativ gesehen handelt es sich weniger um ein Technologieentwicklungsprojekt als vielmehr um eine vielschichtige Untersuchung, um die Rolle und die möglichen Auswirkungen des automatisierten Fahrens im ÖPNV zu erfassen bzw. abzuschätzen.
Im Gemeinschaftsforschungsprojekt arbeiten mehrere Partner:innen zusammen, die Hochschule Esslingen koordiniert das Projekt. Die Kommunikationsbüro Ulmer GmbH moderiert den transdisziplinären Austausch und organisiert die Öffentlichkeitsarbeit. HIER sind weitere Informationen zum Projektkonsortium zu finden.
Das im Jahr 2021 gestartete Industrieforschungsprojekt soll im Jahr 2022 unterjährig mit dem Fahrbetrieb beginnen und eine ca. 2 km lange Strecke mit (zunächst) zwei geplanten Bushaltestellen – S-Bahnhof Waiblingen (Ameisenbühl) und Berufsbildungswerk (BBW) – im Forschungsbetrieb befahren. Interessierte können die Fahrzeuge während des Streckenbetriebes an Betriebstagen kostenlos nutzen. Das Projekt AMEISE endet im Dezember 2022.
Was ist der Unterschied zwischen automatisiert und autonom? Was planen wir in Waiblingen?

Die Befähigung eines Fahrzeuges die Aufgaben der/des Fahrzeugführenden zu übernehmen, wird in Automatisierungsgraden angegeben. Dabei gibt es verschiedene Standards, welche diese unterscheiden. Das Projekt AMEISE bezieht sich auf den SAE J3016-Standard, welcher in den USA und der EU am häufigsten Verwendung findet.

Der Standard unterscheidet zwischen sechs Level (auch Stufen genannt), welche von 0 – keine Automatisierung – bis zu 5 – Vollautomatisiert – reichen. Im Projekt AMEISE werden zwei Fahrzeuge zum Einsatz kommen. Zum einen ein umgebauter Sprinter, welcher dem Level 0 zuzuordnen ist und welcher der Streckendaten-Sammlung dient. Zum anderen ein auf das automatisierte Fahren in höheren Automatisierungslevel entwickelter und ausgestatteter Kleinbus. Das Automatisierungssystem funktioniert entlang einprogrammierter Fahrwege weitgehend ohne menschliche Interventionen. Die Umgebung wird kontinuierlich erfasst, wodurch die Lokalisierung und die sichere Reaktion auf andere Verkehrsteilnehmende und Hindernisse möglich sind. Damit erfüllt das System die Merkmale des Levels 3. Während der aktuellen Projektphase wird stets Fahrpersonal der OVR an Bord mitfahren, so dass das Verkehrsgeschehen von einer fahrzeugführenden Person überwacht wird (Merkmal Level 2). In Situationen, die das Fahrzeugsystem nicht eigenständig entscheiden oder bewältigen kann, wird das Fahrpersonal die Steuerung oder Bestätigung zur Weiterfahrt übernehmen.

Level 0 – No Automation (Keine Automatisierung)
Die Steuerung erfolgt vollständig durch die/den Fahrenden. Als Hilfestellung kann das System Warnungen ausgeben.
Beispiel: Spurverlassenswarnung
Aufgaben Fahrende:r: Querführung (Lenken), Längsführung (Beschleunigen u. Bremsen), Überwachung der Verkehrssituation

Level 1 – Driver Assistance (Assistiertes Fahren)
Die/der Fahrende kontrolliert das Fahrzeug. Aktive Assistenzsysteme können bei der Quer- oder Längsführung unterstützen. Keine Unterstützung bei Quer- und Längsführung gleichzeitig.
Beispiel: Tempomat
Aufgaben Fahrende:r: Quer- oder Längsführung, Überwachung der Verkehrssituation

Level 2 - Partial Automation (Teilautomatisierung)
Die Steuerung erfolgt hauptsächlich durch die/den Fahrende:n. In bestimmten Situationen kann das System die Längs- und Querführung übernehmen.
Beispiel: Stauassistent
Aufgaben Fahrende:r: Überwachung der Verkehrssituation, dauerhafte Bereitschaft zur Übernahme der Fahrzeugführung

Level 3 - Conditional Automation (Bedingte Automatisierung)
Fahrzeug kann selbstständig fahren, die/der Fahrende muss jedoch auf Aufforderung des Systems jederzeit eingreifen können.
Beispiel: Autobahnchauffeur:in
Aufgaben Fahrende:r: dauerhafte Bereitschaft zur Übernahme der Fahrzeugführung

Level 4 - High Automation (Hochautomatisierung)
Fahrzeug kann unter bestimmten Betriebsbedingungen selbstständig fahren, auch wenn kein:e Fahrer:in auf Anforderung eingreift. Bei Situationen, die das System nicht bewältigen kann, begibt es sich, sofern kein menschliches Eingreifen erfolgt, in einen risikominimalen Zustand.
Beispiel: Parkhauspilot
Aufgaben Fahre:r: Übernahme der Steuerung bei Übergang zu nicht inkludierten Betriebsbedingungen

Level 5 - Full Automation (Vollautomatisiertes bzw. autonomes Fahren)
Vollständiges autonomes Fahren unter allen Betriebsbedingungen und in allen Verkehrssituationen, welche auch ein:e menschliche:r Fahrende:r bewältigen kann. Es gibt nur Passagiere.
Aufgaben Fahre:r: -
Wie wird mit den Fragen und Anregungen der Bürgerinnen und Bürger umgegangen?

Die vielschichtigen Forschungsziele (siehe Frage 1) führen dazu, dass das Projekt AMEISE im Rahmen von sechs Arbeitspaketen einen ganzheitlichen Ansatz plant. Dabei spielt die Einbindung von Nutzergruppen, insbesondere die potenzieller zukünftiger Fahrgastierender, eine große Rolle, sodass sie von den Forschenden im Zuge aller Arbeitspakete berücksichtigt werden. Den besonderen Bedürfnissen eingeschränkter Personengruppen wird dabei, vor dem Hintergrund der Inklusion, besondere Beachtung geschenkt.

Die sechs Arbeitspakete fokussieren sich auf die folgenden Schwerpunkte:

AP1 – Aufbau der (unterstützenden) Straßeninfrastruktur
AP2 – Betrieb der (hoch-)automatisierten Busse
AP3 – Datenerfassung / Datenübertragung
AP4 – Untersuchung der Wirtschaftlichkeit, Verkehrsökonometrie & Nutzerakzeptanz
AP5 – Zukunft des Berufsbildes „Busfahrer:in“
AP6 – Projektkoordination & Projektkommunikation

Der frühzeitige Austausch und Kontakt zu den Bürger:innen der Stadt Waiblingen, ist seitens aller Forschenden von großer Bedeutung, sodass die Projektteilnehmenden aktiv den Kontakt zu den Bürger:innen/den potentiellen zukünftigen Fahrgastierenden suchen, um sich mit diesen hinsichtlich derer Meinungen und eventuellen Anregungen sowie deren Bedenken austauschen zu können.
Gibt es Zustiegsmöglichkeiten an den beiden Endhaltestellen? Kann man das Fahrzeug per Handy zum Zustieg stoppen?

Der Fahrzeugbetrieb/die Personenbeförderung des Forschungsprojektes AMEISE ist in Form eines Buslinienbetriebes geplant. Die Fahrzeuge fahren demnach die beiden Haltestellen (Bahnhof Waiblingen und Berufsbildungswerk Waiblingen (BBW)) ohne Zwischenhalte an. Der sogenannte „on Demand Betrieb“, sprich der Betrieb bzw. die Nutzung des Transportangebotes nach Bedarf, wird projektseitig untersucht, jedoch vorerst unter den simulativen Bedingungen von On-Demand-Modellen.

Nichtsdestotrotz soll eine Interaktion zwischen den zukünftigen Fahrgastierenden und den Fahrzeugen/dem Projekt AMEISE anhand einer AMEISE-App zukünftig ermöglicht werden. Zu den Funktionen der App zählen unter anderem die Informationsbeschaffung hinsichtlich theoretischer technischer Hintergründe, der Fahrpläne oder aber auch der Neuigkeiten aus dem Projekt und eine Möglichkeit zur Interaktion mit den Fahrgästen.
Wenn das System in Zukunft einen komplett fahrerlosen eingeschwungenen Zustand erreicht hat: wie hoch werden dann die Betriebskosten im Vergleich zum System mit Fahrer:in geschätzt?

Autonomes Fahren hat das Potential, die Mobilität der Zukunft grundsätzlich zu verändern. Strukturen im Straßenverkehr und Fahrbetrieb im ÖPNV, die sich bis zum heutigen Zeitpunkt etabliert haben, gestalten sich im autonomen Verkehr andersartig. Hierzu zählen unter anderem die Führung des Fahrzeuges durch eine:n Fahrer:in oder aber auch die Kommunikation der Fahrenden untereinander. Diese Unterschiede/diese Besonderheiten wirken sich entsprechend und insbesondere auf die Wirtschaftlichkeit autonomer Transportangebote aus.

Ein Beispiel dafür bildet der Kostenblock der Personalkosten im ÖPNV
Das potenzielle Wegfallen des Fahrpersonals eines autonom betriebenen Transportangebotes bietet eine Chance, die Betriebskosten der Betreibenden der Fahrzeuge zu reduzieren. Der Kostenblock/Kostentreiber „Fahrpersonal“ fällt dabei nicht komplett weg, da das für das autonome Fahrzeug notwendige Personal den Einsatz (voraussichtlich) in der Leitzentrale finden würde, dem sogenannten vehicle control center (VCC). Die hierdurch anfallenden Kosten könnten dabei wesentlich geringer ausfallen, da ein:e Fahrzeugleiter:in mehrere Fahrzeuge zeitgleich überwachen könnte.

Diese und weitere Besonderheiten der Einflüsse der Wirtschaftlichkeit hochautomatisierter und autonomer Transportkonzepte werden im Rahmen des Projektes AMEISE derweil näher und vor allen Dingen ganzheitlich untersucht. Durch den Einbezug aller Arbeitspakete (siehe Frage Nummer 4 – Arbeitspakete Projekt AMEISE) und der in dieser tätigen Expert:innen werden alle Besonderheiten technischer, betriebstechnischer und verkehrsökonometrischer Natur berücksichtigt. Auf diesem Weg können die Berechnungen, die Simulationen und die allgemeinen Untersuchungen zu einem Ergebnis führen, welches einen Anhaltspunkt für die zukünftigen Betriebskosten autonomer Transportangebote geben kann.
© Tim Kögler, Bahnen der Stadt Monheim